Mit einem innovativen Theaterformat begeisterte ein Team des Forumtheaters Ruhr um Janna Plate am 25. November und 02. Dezember insgesamt etwa 30 Lehramtsstudierende, Lehrende und Mitarbeitende der Universität Duisburg-Essen (UDE). Eingeladen hatte das Zentrum für Lehrkräftebildung (ZLB).

Elterngespräche meistern

Am 25. November 2025 ging es um das Thema „Elterngespräche meistern – auch bei Mobbing und Gender-Konflikten!“. Schon nach wenigen Minuten zeigte sich, dass sich dieses Format von den klassischen Vorträgen unterschied. Janna Plate, künstlerische Leitung am Forumtheater Ruhr und Theaterpädagogin, bezog das Publikum von Anfang an mit ein und ließ die Teilnehmenden zur Einstimmung gemeinsam mit den Darsteller*innen Lockerungsübungen absolvieren.

Dann folgte der Einstieg in das Setting: Eine Lehrerin bereitet den Tisch für ein Elterngespräch vor. Zunächst erscheinen eine Mutter und ihr Kind, Ju, welches sich als non-binär identifiziert und in der Klasse Mobbing und Spott ausgesetzt ist. Aufhänger des Gesprächs ist ein verletzendes Meme über Ju im Klassen-Chat, das von einer Mitschülerin verbreitet wurde, die kurz darauf mit ihrem Vater die Bühne betritt.

Grundsatz-Debatte

Der Vater, ein Anwalt, tritt sehr fordernd auf, versucht sofort, die Situation zu dominieren und „die Sache hier möglichst schnell zu klären“. Das Gespräch eskaliert zunehmend: Beide Teenager fühlen sich unverstanden, die Eltern geraten in Streit und aus dem ursprünglichen Anlass entwickelt sich eine grundsätzliche Auseinandersetzung über „Gender-Gaga“, in der der Vater der Lehrerin Vorwürfe macht, bis diese das Gespräch frustriert abbricht.

Nach dieser Theaterszene analysierten die Teilnehmenden gemeinsam, was bei dem Gespräch schiefgelaufen ist und identifizierten verschiedene Ansatzpunkte, um es konstruktiver und erfolgreicher zu gestalten. Sie konnten den Darsteller*innen Fragen stellen, die diese jeweils aus der Perspektive ihrer Rolle beantworteten, bevor die Szene ein zweites Mal gespielt wurde – diesmal übernahm eine Lehramtsstudentin die Rolle der Lehrerin und setzte mehrere der erarbeiteten Vorschläge um. Es zeigte sich eine spürbar veränderte Dynamik.

Rassismus, Sexismus und Co.

Am 02. Dezember, hieß das Thema „UNFAIR“ – Klassenzimmer im Ausnahmezustand: Wie du Rassismus, Sexismus und Co. nicht nur besprichst – sondern aktiv veränderst!“. Im Fokus standen diesmal vier Schüler*innen und eine Lehrerin, die neu an der Schule ist. Unterschiedliche Konflikt- und Diskriminierungsebenen entfalten sich während der Spielszene.

Im ersten Teil der Szene erhält das Publikum zunächst Einblicke in die Lebensrealitäten der Schüler*innen. Eine Schülerin möchte gerne ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei machen, befürchtet aber, wegen ihres türkisch klingenden Namens keine Chance zu haben. Der deutsch gelesene Mitschüler kennt solche Sorgen nicht. Er strotzt vor Selbstbewusstsein und berichtet von seinem geplanten Einstieg in die Auto-Werkstatt seines Vaters. Ein anderer Schüler, vor einigen Jahren neu zugewandert, jongliert zwischen einem Neuanfang und der Aufgabe als Übersetzer und Manager familiärer Termine, z. B. bei Behörden. Hinzu kommt eine neue Mitschülerin. Sie ist Influencerin, die durch freizügige Kleidung und selbstbewusstes Auftreten auffällt.

Überforderung der Lehrkraft

Die Lehrerin plant zu Beginn der Stunde eine Vorstellungsrunde mit der Klasse und tritt gleich in mehrere Fettnäpfchen, etwa als sie bei der Schülerin türkischen Namens so lange nach deren „eigentlicher“ Herkunft bohrt, bis diese entnervt mitteilt, dass ihre Großeltern vor 50 Jahren aus der Türkei eingewandert seien. Oder als sie den neuzugewanderten Schüler in langsamer und übertrieben akzentuierter Sprechweise für sein gutes Deutsch lobt. Ein Blick in ihre Gedanken macht deutlich, dass weitere Vorurteile mitschwingen: Wie würde der neuzugewanderte Schüler mit arabischem Hintergrund mit dem freizügigen Auftreten der Influencerin zurechtkommen?

Die Situation kulminiert in einem Streit zwischen den beiden Schülerinnen während einer kurzen Abwesenheit der Lehrerin. Als sie ins Klassenzimmer zurückkehrt, sieht sie den Schüler mit Migrationshintergrund, wie er die Influencerin am Arm gepackt hat, um sie von der anderen Schülerin fernzuhalten und missdeutet die Situation aufgrund ihrer vorherigen Befürchtung. Am Ende gibt sie dem Schüler einen Flyer, verbunden mit einem Kommentar, wie man sich in Deutschland Frauen gegenüber verhalte. Die Influencerin dagegen will sie nach Hause schicken, „um sich etwas Anständiges anzuziehen“. Das Verhalten der Lehrkraft zeigt ihre Überforderung deutlich.

Erneut hatte das Publikum die Möglichkeit, den Darsteller*innen Fragen zu stellen, die Fehler in der Situation zu analysieren und Verbesserungsvorschläge zu machen, wie die Lehrerin sie besser managen kann, ohne ihre Schüler*innen – bewusst oder unbewusst – zu diskriminieren.

Beide präsentierten Formate erlaubten einen intensiven und anschaulichen Einblick in schulbezogene Konfliktsituationen und Diskriminierungserfahrungen. Gleichzeitig boten sie Raum, die Szenen gemeinsam zu erarbeiten und konkrete Handlungsoptionen zu erproben.

Hintergrundinformation zur ZLB-Vortragsreihe Bildung für Toleranz

Im Mai 2025 jährte sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal. Die aktuellen politischen Debatten und der „Rechtsruck“, insbesondere der jungen Wählerschaft, befördern vor diesem Hintergrund auch die Auseinandersetzung mit Themen wie Extremismus, Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus. Das teilweise junge Alter der Akteur*innen verdeutlicht, wie wichtig die Rolle der Schulen als ein zentraler Ort ist, um antidemokratischen Tendenzen präventiv zu begegnen. Für die Aufgabe, diskursive Präventionsarbeit an Schulen zu leisten, müssen angehende Lehrkräfte sensibilisiert und mit den notwendigen didaktischen und ethischen Handlungskompetenzen ausgestattet werden.

Vor diesem Hintergrund bietet DiversiTeach in Kooperation mit dem Basic und Advanced Training (BuAT) – beides Projekte des ZLB – die Vortragsreihe Bildung für Toleranz an, die mit den beiden Theater-Workshops fortgesetzt wurde.

Das Forumtheater Ruhr:

Das Forumtheater Ruhr ist eine seit 2021 bestehende Kooperation zwischen Life & Culture Factories e.V.  und der künstlerischen Leitung Janna Plate.

Das Ensemble aus Schauspieler*innen, Theaterpädagog*innen und Sozialarbeiter*innen zeigt wirklichkeitsnahes Theater und bezieht das Publikum in die Konfliktlösung ein. Gemeinsam wird erforscht, wie man Herausforderungen im Alltag zukünftig begegnen kann.