Am 15. Januar 2026 tagte der ZLB-Vorstand und tauschte sich über aktuelle Themen in der Lehrkräftebildung aus. Unter dem TOP Vertretungslehrkrafttätigkeit: Bedarfe und Herausforderungen wurde einstimmig beschlossen, das vom ZLB und dem Runden Tisch Lehramt entwickelte Positionspapier für weitere Zwecke nutzbar zu machen.

Der Text des Positionspapiers im Wortlaut:

Vertretungslehrkrafttätigkeit: Bedarfe und Herausforderungen
Zentrum für Lehrkräftebildung der Universität Duisburg-Essen (UDE), 2026

Wissenschaftliche und schulpraktische Professionalisierung angehender Lehrkräfte sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten einer Medaille. Ein Studium auf dem neuesten Stand der Forschung, eingebettet in Praxisreflexionen und schulpraktisch ausgerichtete Veranstaltungsformate wie Lernlabore, legt aus unserer Sicht den Grundstein für eine gelingende Professionsentwicklung. Dies möchte die UDE auch und gerade Studierenden vermitteln, die einer Tätigkeit als Vertretungslehrkraft (VLK) nachgehen.

Die UDE erkennt an, dass VLK-Tätigkeiten von Studierenden an Schulen aktuell unverzichtbar sind. Orientierung für die Rahmung bieten die Empfehlungen der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz. Die SWK empfiehlt

  • das Anforderungsprofil für den konkreten Einsatz klar zu definieren,
  • nur Studierende im Masterstudium als VLK einzusetzen; der Einsatz sollte zehn Unterrichtsstunden pro Woche nicht überschreiten. Für Bachelorstudierende sind ausschließlich Assistenzfunktionen geeignet,
  • der/die VLK soll verlässlich einer erfahrenen Lehrkraft zugeordnet werden, u. a. zur Abstimmung über den Einsatz von Aufgaben, Material und Leistungskontrollen und – wo möglich – zur gemeinsamen Planung von Unterricht,
  • die Gesamtverantwortung für das Lernen und die Beurteilung der Lernergebnisse in allen Fällen bei einer erfahrenen Lehrkraft zu belassen,
  • die Universitäten sind bei der Begleitung und Abstimmung mit den Professionalisierungsanforderungen der Praxisphasen im Studium einzubeziehen. (SWK 2023: 19f)

Allerdings sind die Bedingungen zur Vereinbarkeit von Studium und VLK-Tätigkeit noch optimierbar. Dies zeigt eine Befragung aller Lehramtsstudierenden an der UDE im Wintersemester 2024/2025 und Sommersemester 2025[1] mit einer Rücklaufquote von ca. 37 % (n = 2740, davon 498 VLK). Die Vollerhebung zeichnet ein umfassendes Bild der aktuellen Situation. Zeitmanagement und eine – aus der Sicht der Studierenden – mangelnde Vorbereitung auf die Tätigkeit in der Praxis spielen eine große Rolle für viele VLK. Einige VLK arbeiten unter Bedingungen, die das Studium deutlich verlängern und/oder die Professionsentwicklung der Studierenden durch unzureichende Praxisreflexion behindern dürften.

Dabei lassen sich Professionalisierungseffekte durch eine VLK-Tätigkeit maximieren, wenn sich Schulen und die UDE gemeinsam dafür einsetzen. Die UDE hat hier nur eingeschränkt Gestaltungsmöglichkeiten, die sie aber nutzen wird. Basis ist eine wertschätzende Haltung gegenüber Studierenden, die als VLK tätig sind. Unter idealen Bedingungen bereichern die schulpraktischen Erfahrungen von studentischen VLK die universitäre Lehre und Studierende können sich praxisnah „on the job“ professionalisieren. Wo dies möglich ist, wollen wir ihre Erfahrungen qualitätsverbessernd in unsere Lehre einbinden. Das ZLB begleitet die als VLK tätigen Studierenden mit Informationsveranstaltungen, Beratungs- und Vernetzungsangeboten sowie schulpraktisch ausgerichteten Zusatzveranstaltungen.

Wir wollen Studierende durch eine reflektierte Berufspraxis auf die komplexen Anforderungen der dynamischen Bildungslandschaft in der Metropolregion Rhein-Ruhr vorbereiten. Durch die Umsetzung der o. g. Empfehlungen stärken VLK-Tätigkeiten unser Ziel.

[1]Die Studierenden mit dem Studienziel Lehramt an Grundschulen (GS), Lehramt an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen (HRSGe) und Lehramt an Berufskollegs (BK) wurden im Wintersemester 2024/2025 befragt, Studierende mit dem Studienziel Gymnasium und Gesamtschulen (GyGe) und Sonderpädagogik (SoPäd) im Sommersemester 2025.