Auf Einladung von Prof. Dr. Sabine Manzel Nietiedt und der CIVES! School for Civic Education waren Gaststudierende von der Universidad Costa Rica (UCR) in San José gemeinsam mit ihrer Professora Dra. Susanne Müller-Using im Januar 2026 für eine Woche zu Besuch an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Die Gruppe war in die regulären Lehrveranstaltungen in der Fachdidaktik der Sozialwissenschaften eingebunden, in eine Vorlesung von Prof. Dr. Dagmar Comtesse, Didaktik der Philosophie sowie einen Blocktag des Praxissemesters im Fach SoWi.
Die Gaststudierenden haben mit eigenen Vorträgen aus ihrem Abschlussprojekt die Diskussion mit den Lehramtsstudierenden der UDE bereichert. Themen waren u. a. Inklusion, Bildung für ältere Menschen, Empowernde Bildung in Jugendgefängnissen und aktionsorientierte Bildung für Jugendliche aus einer dekolonialen Perspektive. Masterstudierende mit dem Schwerpunkt HRSGe stellten eine Unterrichtseinheit für bildungsferne Jugendliche der Sek. I zu Demokratie und Social Media vor, bei der die Gäste viele Gemeinsamkeiten mit ihren eigenen Unterrichtsinhalten zu Politik im Netz, Meinungsfreiheit und FakeNews feststellen konnten.
Hoher Stellenwert der Bildung
Susanne Müller-Using gab in zwei Vorträgen Einblicke in das Bildungssystem Costa Ricas, die politischen Leitlinien für die Schulbildung und die Lehramtsausbildung mit Fokus auf dem Philosophie-Unterricht. Bildung hat in Costa Rica einen sehr hohen Stellenwert. Mit der Abschaffung des Militärs 1949 wurden finanzielle Mittel in die Bildung, das Gesundheitswesen und Umweltschutz transferiert. Der Ausspruch „lieber ein Heer von Lehrkräften statt ein Heer von Soldaten“ zeigt deutlich den Stellenwert von Bildung in der costa-ricanischen Gesellschaft, der sich in einer hohen Alphabetisierungsquote von über 90 Prozent niederschlägt und deutlich gegenüber anderen Ländern in Zentralamerika positiv heraussticht.
Trotz unterschiedlicher finanzieller Basis und philosophietheoretischer Ansätze gleichen sich die normativen Ziele der Demokratie- und Menschenrechtsbildung in Costa Rica mit den Zielen der politischen Bildung in Deutschland stark. In ihrem zweiten Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe zu empirischer Bildungsforschung des Interdisziplinären Zentrums für Bildungsforschung (IZfB) zum Thema „Ethos und Empathie in der pädagogischen Professionalisierung“ stellte Susanne Müller-Using im Ländervergleich Deutschland – Costa Rica Befunde zu den doch deutlich voneinander abweichenden Umsetzungen des humanistischen Bildungsideals vor. Hier könnte die Rezeption der Bildungsphilosophie Costa Ricas zu einer Stärkung der Schulsozialbeziehungen als Basis für erfolgreiche Lernprozesse in einem guten Klassenklima beitragen.
Kulturelle Highlights
Neben dem fachlichen Austausch ermöglichte das International Office der UDE auch kulturelle Highlights: eine Exkursion zur Zeche Zollverein in Essen, der Dombesuch und eine Stadtführung in Köln bei strahlendem Sonnenschein und eisiger Kälte. Den Abschluss bildete eine Altbier-Brauereibesichtigung mit typisch rheinischem Essen in der Düsseldorfer Altstadt. Auch wenn der Abschied schwerfiel: Susanne Müller-Using und Sabine Manzel Nietiedt loten weitere Kooperationsmöglichkeiten in den Lehramtsstudiengängen v. a. hinsichtlich der Bildung für nachhaltige Entwicklung (Schwerpunktthema des Graduiertenkollegs Querschnittsaufgaben in der Lehrkräftebildung GQKL) und der Menschenrechtsbildung aus.


